18.04. Gedenkveranstaltung in der Wenzelnbergschlucht

Auf Langenfelder Stadtgebiet, in der so genannten Wenzelnbergschlucht, erschoss die Gestapo in den letzten Tagen der faschistischen Herrschaft 71 Häftlinge, die überwiegend aus dem Zuchthaus Lüttringhausen kamen. Paarweise an­einander gebunden, mussten die Gefangenen an einer Grube niederknien und wurden mit Genickschüssen ermordet und anschließend verscharrt – nur 4 Tage vor Kriegsende.

Am 18. April soll es in der Wenzelnbergschlucht wieder eine Gedenkveranstaltung geben, zu der wir alle einladen.

– Treffpunkt: 10:00 Uhr, Parkplatz Hotel Lohman (Gravenberg) an der Stadtgrenze Solingen/Langenfeld

– 10:30 Uhr Gedenkdemonstration zur Wenzelnbergschlucht mit anschließender Gedenkveranstaltung

Das Manhnmal am Wenzelnberg

Die Morde in der Wenzelnbergschlucht am 13. April 1945

Der SS- Obergruppenführer Karl Gutenberger hatte schon Ende September 1944, bei einem Treffen mit Leitern der Rheinland – Westfälischen Polizeibehörden und den Generalstaatsanwälten des Wehrkreises erläutert, dass die Insassen der polizeilichen Haftstätten und Strafanstalten, die sich in Frontnähe befanden, „unter allen Umständen beseitigt werden“ müssten.

Generalfeldmarschall Model, Befehlshaber der Heeresgruppe B im damaligen Ruhrkessel, erteilte am 7. April 1945 den Befehl, dass „Zuchthausinsassen und politische Untersu­chungsgefangene zur Überprüfung den Sicherheitsorganen zu übergeben“ seien. Eine „nähere Regelung“ treffe der Höhere SS- und Polizeiführer. Im Falle der Häftlinge im Zuchthaus Lüttringhausen, war dies SSObergruppenführer Gutenberger, dessen Stab im April 1945 in Wuppertal untergebracht war.

Zur „Überprüfung und Auflistung“ der Lüttringhauser Häftlinge erschienen am 10. April 1945 vier Gestapobeamte beim Direktor des Lüttringhauser Zuchthauses Dr. Karl Engel­hardt. Dieser lehnte eine „Überprüfung und Auflistung“ aus formalen Gründen ab, entschied sich aber später auf Druck des Wuppertaler Gestapochefs Josef Hufenstuhl dafür, selbst eine Liste von Gefangenen anzufertigen.

Wie nach Kriegsende von Dr. Engelhardt beschrieben, nahm er entgegen den Forderungen des Gestapochefs nur Personen in seine Liste auf, „die entweder schwerstens kriminell belastet oder politisch verhältnismäßig harmlos oder der Wuppertaler Polizei als Funktionäre bestens bekannt waren.“

Die Liste enthielt laut Engelhardt „weniger als 90 Namen“. Gemeinsam mit Generalstaatsanwalt Hagemann, seinem Dienstvorgesetzten, versuchte Engelhardt am 11. April bei Gutenberger, den er allerdings nicht persönlich antraf, für die Häftlinge zu intervenieren. Am Abend desselbigen Tages wurde ihm durch die Gestapo mitgeteilt, dass am nächsten Tag alle auf der Liste befindlichen Häftlinge abgeholt werden sollen. Mit Hilfe seiner Mitarbeiter gelang es Engelhardt, eine große Anzahl von politischen Häftlingen in Sicherheit zu bringen, indem sie auf Außenkommandos abgeschoben wurden.

Er lieferte 60 Häftlinge, darunter 10 politische, an die Gestapo aus. Sie wurden am 12. April in das Wuppertaler Polizeipräsidium verbracht. Am 13 April wurden in aller Frühe die 60 Häftlinge aus Lüttringhausen gemeinsam mit vier Häftlingen aus dem Zuchthaus Wuppertal – Bendahl und vier russischen und polnischen Zwangsarbeitern aus dem Polizeigefängnis Ronsdorf in die Wenzelnbergschlucht verbracht. Dazu kommen drei Personen, deren Herkunft und Namen bis heute nicht bekannt sind. Die Gefangenen wurden mit Lastkraftwagen bis an die Sandgrube gefahren, mussten sich dort zu zweit aufstellen, wurden mit Draht aneinander gefesselt, mussten sich hinknien und wurden dann mit Genickschuss ermordet. Am 17 April befreiten amerikanische Truppen Solingen vom Faschismus. Der antifaschistische Widerstandskämpfer Karl Bennert berichtete den amerikanischen Besatzungstruppen von dem Massaker. Unter Leitung des damals 19 jährigen US – Infanteriefunkers Dudley Strasburg griff ein Trupp US-​Soldaten 25 bekannte Nazis auf, die die Leichen der ermordeten Häftlinge exhumieren mussten. Nach einer kriminaltechnischen Untersuchung der Leichen durch die Amerikaner wurden später unter großer Anteilnahme der Bevölkerung die Ermordeten vor dem Rathaus in Solingen-​Ohligs bestattet. Im Jahre 1965 wurden die Opfer der Nazibarbarei an ihren letzten Ruheort, Mahnmal Wenzelnberg, umgebettet.

Die Namen der Opfer:

1.​Ludwig Baumann

2.​Hugo Breemkötter

3.​Josef Breuer

4.​Leopold Choncenzey

5.​Wilhelm Clemens

6.​Christian Döhr

7.​Heinrich Dietz

8.​Adolf Führer

9.​Bernhard Funkel

10.​Wilhelm Fatscher

11.​Johann Galwelat

12.​Otto Gaudig

13.​Karl Gabowski

14.​Wilhelm Gietmann

15.​Albert Grandt

16.​Johann Hense

17.​Adolf Hermanns

18.​Karl Horn

19.​Wilhelm Hanrath

20.​Hans Holzer

21.​Ferdinand Jahny

22.​Wincente Jankowski, Polen

23.​Hermann Jäger

24.​Friedrich Knopp

25.​Artur Koch

26.​Friedrich Kamleiter

27.​Jakob Krieger sen.

28.​Josef Kuhnt

29.​Heinrich Kubick

30.​Rudolf Käferhaus

31.​Daniel Kresanowski, UdSSR

32.​Walter Kuhlmann

33.​Wilhelm Kranz

34.​Max Lang

35.​Erich Lohmer

36.​Paul Liszum

37.​Hermann Landtreter

38.​Horst Lettow

39.​Henri Liebisch

40.​Ferdinand Margreiter

41.​Heinrich Marth

42.​Otto Markus

43.​Gustav Marnitz

44.​Franz Müller

45.​Walter Nell

46.​Josef Nikolay

47.​Hubert Offergeld

48.​Heinrich Rode

49.​Adolf Röder

50.​Herbert Runkler

51.​Sylvester Sniatecki

52.​Heinrich Schlieper

53.​Karl Schulz

54.​Wilhelm Stangier

55.​Mitrofan Saitzki UdSSR

56.​Franz Spitzlei

57.​Theodor Schmidt

58.​Johann Schyra

59.​Paul Tegethoff

60.​Max Thiemann

61.​Josef Thiemann

62.​Heinrich Tries

63.​Paul Wodzinski

64.​Karl Wallraven

65.​Hans Wimmershof

66.​Wilhelm Wigeroth

67.​Viktor Wolynec UdSSR

68.​August Zywitzki

69.​Unbekannt

70.​Unbekannt

71.​Unbekannt

Und dies sind die Täter vom Wenzelnberg:

Von der Gestapo Wuppertal waren beteiligt: Hufenstuhl, Goeke, Blume, Dahlmann, Ilvermann, Kloß, Schalenberger, Hornberger und Michels.

Von der Gestapo Solingen waren beteiligt: Burmann, Nees, Wald, Endes, Vogel, Schwarz, Schneller, Jessinghaus, Zymni und Mertens.

Keiner der namentlich bekannten Gestapo-​ und Kripobeamten wurde je für die Morde in der Wenzelnbergschlucht bestraft, denn nach §6 des „Straffreiheitsgesetzes“ von 1954 sollte Straffreiheit für all jene Straftaten gewährt werden, die „unter dem Einfluss der außergewöhnlichen Verhältnisse des Zusammenbruchs zwischen dem 1. Oktober 1944 und dem 31. Juli 1945 in der Annahme einer Amts-, Dienst-​ oder Rechtspflicht insbesondere auf Grund eines Befehls“ begangen worden waren.

Dies war de facto die Generalamnestie für alle Mörder, die sich „Kriegsendphasen-​Verbrechen“ schuldig gemacht hatten.

Wenzelnberg 1945

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